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25 Jahre Porsche Carrera GT – Ikone ohne Filter

Foto: Porsche AG
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Vor 25 Jahren stellte Porsche den Carrera GT vor. Ein Supersportwagen mit V10-Motor, Carbon-Monocoque und ohne elektronische Helfer. Die ganze Geschichte seiner Entwicklung – erzählt von den Machern selbst.


Ein Jubiläum für den letzten analogen Supersportwagen

Foto: Porsche AG
Foto: Porsche AG

1999 zeigte Porsche in Paris ein Auto, das die Welt in Atem hielt: den Porsche Carrera GT. Mit seinem V10-Saugmotor, einem Carbon-Monocoque aus der Formel 1-Technik und völlig ohne elektronische Fahrhilfen gilt er bis heute als der letzte kompromisslose analoge Supersportwagen.

Im Jubiläumsjahr blicken wir zurück auf die Entstehungsgeschichte – erzählt von den Menschen, die ihn entwickelt haben: Die Designer Harm Lagaaij (damals Chefdesigner) und Tony Hatter (Exterieur Carrera GT), Projektleiter Michael Hölscher, Motorenentwickler Bernd Ramler, Fahrwerksspezialist Roland Kussmaul und natürlich Walter Röhrl.


Wendelin Wiedeking und die Geburtsstunde des Carrera GT

Foto: Porsche AG
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Ende der 90er hatte Porsche den Werksmotorsport beendet. Doch Vorstandschef Wendelin Wiedeking wollte seine Entwickler nicht verlieren. Also schuf er ein neues Projekt.

„Wiedeking kam aus Tokio zurück“, erinnert sich Bernd Ramler. „Er hatte gehört, dass Mercedes den SLR bringen wollte. Da sagte er: ,Dieser Lkw-Bauer will einen Supersportwagen bauen? Porsche ist Sportwagen!‘ Und schon hatten wir den Auftrag.“

Der Carrera GT sollte also nicht nur ein Auto sein – er war eine Kampfansage an Ferrari und Mercedes.

Ungewöhnlich für Porsche: Das erste Design entstand in einem neuen Studio in Huntington Beach, Kalifornien. Designchef Harm Lagaaij wollte frische Perspektiven:„Wir wollten Freiheiten haben, nicht den ständigen Blick aus Weissach. Das erste Projekt dort war der Carrera GT.“

Zusammen mit Tony Hatter entstand die unverwechselbare Form mit den abnehmbaren Dachhälften – ein Alleinstellungsmerkmal im Supersportwagen-Segment und wichtig für Porsche, de rnicht nur performant sein, sondern auch den Genuss am Fahren vermitteln sollte.


Der V10-Motor: Aus Le Mans auf die Straße

Foto: Porsche AG
Foto: Porsche AG

Das Herz des Carrera GT ist sein 5,7-Liter-V10, ursprünglich für Le Mans entwickelt. Damit der Motor so tief wie möglich eingebaut werden konnte, musste Porsche sogar eine völlig neue Lösung entwickeln: die legendäre Keramikkupplung.

Projektleiter Michael Hölscher: „Nur so konnten wir den Schwerpunkt nach unten bringen. Das war riskant – aber es hat funktioniert.“ Mit 450 kW (612 PS), einer Höchstgeschwindigkeit von 330 km/h und einem Gewicht von 1.380 Kilogramm verkörpert die Serienversion des Carrera GT all das, was Porsche ausmacht: Leichtbau, Hochdrehzahl, Mittelmotorprinzip – und die Idee, Rennsporttechnik auf die Straße zu bringen.

Grafik: Porsche AG
Grafik: Porsche AG

Der Carrera GT war das erste Serienauto von Porsche mit einem Carbon-Monocoque. Gefertigt im Autoklaven, dauerte es ganze fünf Tage, bis ein Chassis fertig war. „Wir mussten gleich 15 Werkzeugsätze haben, um die geplanten Stückzahlen zu erreichen“, sagt Hölscher.

Die Fertigungstechnologie stammte direkt aus der Formel 1 und machte den Carrera GT zu einem absoluten Leichtgewicht – bei gleichzeitig extremer Stabilität.


Fahrwerk: Von der Bestie zum fahrbaren Traum

Foto: Porsche AG
Foto: Porsche AG

Doch Hightech allein reicht nicht. Die ersten Prototypen waren kaum fahrbar. Selbst Walter Röhrl kam ins Schwitzen:„Das Auto war zu scharf. Ich habe gesagt: 'Wenn ihr das so verkauft, sagt keinem, dass ich daran beteiligt war.'“

Die Wende kam mit Roland Kussmaul, der das Auto auf Alltagstauglichkeit und Fahrbarkeit am Limit abstimmte. Ergebnis: Ein Supersportwagen, der auch bei 310 km/h noch berechenbar blieb.

Natürlich wurde der Carrera GT an den großen Konkurrenten gemessen. Bei der Entwicklung hatte man noch den Ferrari F50 vor Augen, der bereits ausverkauft war. Mercedes kam mit dem SLR - einer Zusammenarbeit mit McLaren. Ferrari hatte bereits den Enzo am Start - der einzig ernstzunehmende Konkurrent, der auch die Entwickler in Weissach begeisterte, wie sich Michael Hölscher erinnert, der den Wagen bei Ferrari abholte und auf Sommerreifen über den verschneiten Brenner fahren musste. Auf der Rennstrecke war der Porsche dem Ferrari Enzo überlegen, in Papenburg und Bari stellte er Bestzeiten auf. Höchstgeschwindigkeit war bei der Entwicklung nicht allzu kriegsentscheidend.


Walter Röhrl, McLaren F1, Porsche Carrera GT
Walter Röhrl und die verspätete Probefahrt im McLaren F1. Foto: Hardy Mutschler, BMW AG

Nur der McLaren F1 - ein neuer Maßstab bei Straßensportwagen und die Großmutter aller Hypercars blieb für Porsche ein Phantom. Röhrl wollte immer einen fahren – „aber immer wenn wir einen kriegen sollten, war er kaputtgefahren“, lacht er.

Diesen Wunsch konnte ich ihm übrigens zusammen mit der Oldtimer Markt und dank der Schützenhilfe der BMW Group Classic ermöglichen, die ihr Exemplar großzügigerweise für eine Probefahrt durch den Bayerischen Wald rund um St. Engelmar, die Heimat von Walter Röhrl zur Verfügung gestellt haben.


Das Video dazu gibt es hier:

Auch Tester wie Tim Schrick erinnern sich mit Gänsehaut an den ersten Moment zurück: „Ich musste den GT vom Lkw fahren, weil der Transporteur sich nicht getraut hat. Ich habe mir gesagt: Reiß dich zusammen, du musst dir nichts beweisen. Du musst nicht jedes Auto quer stellen. Und dann war es das beste Auto, das ich je gefahren bin.“

Seinen damaligen Test für Motorvision, in dem er den Carrera GT quer die Alpenpässe hinaufjagt, kann man übrigens in Endlosschleife im Hans-Peter Porsche Traumwerk sehen.


Foto: Porsche AG
Foto: Porsche AG
Vermächtnis: Der letzte seiner Art

Für Walter Röhrl ist der Fall klar: „In 30 Jahren Porsche gab es drei Supersportwagen: 959, Carrera GT und 918. Ich hatte das Glück, an allen mitarbeiten zu dürfen. Mein Favorit? Ganz klar der Carrera GT.“

Und Harm Lagaaij fügt aus Designersicht hinzu: „Das Auto altert nicht. Wenn man ihn heute sieht, wirkt er immer noch frisch.“

Der Porsche Carrera GT war mehr als nur ein Supersportwagen. Er war ein Statement – gebaut, um zu beweisen, dass Porsche im Supersport-Segment an der Spitze steht. 25 Jahre später ist er eine Legende ohne Filter. Ein Stück Alte Schule, das es so vielleicht nie wieder geben wird (wobei Gordon Murray mit seinen handverlesenen Supersportwagen sicher am dichtesten dran ist).



Vielleicht ist es nach 25 Jahren wieder an der Zeit, dass Porsche ein Statement setzt. Wir brauchen nicht noch mehr Displays, Fahrmodi und Marketingblasen. Weniger Mainstream, weniger Technik-Klimbim – dafür ein puristischer Supersportwagen, der den Kunden direkt ins Herz fährt. So wie es der Carrera GT vor einem Viertaljahrhundert getan hat.


Die Folge zum Porsche Carrera GT – jetzt anhören:

Alternativ auf: Spotify | Apple Podcasts | YouTube | Amazon


Alle Fotos: Porsche AG

Technische Daten: Porsche Carrera GT

Motor

V10-Zylinder-Saugmotor, 68° Zylinderwinkel

Hubraum/Verdichtung

 5.733 cm3/12,0:1

Leistung    

450 kW/612 PS bei 8.000 U/min

Max. Drehmoment    

 590 Nm bei 5.750/min

Getriebe        

6-Gang-Schaltgetriebe mit Keramikkupplung

Beschleunigung

3,9 s auf 100 km/h, 9,9 s auf 200 km/h

Höchstgeschwindigkeit

330 km/h

Leergewicht

1.380 kg

Länge/Breite/Höhe/Radstand

4.613/1.921/1.166/2.730 mm

Bauzeit/Stückzahl/Werk

2003 bis 2006/1.270/Leipzig

Neupreis 2003

452.690 Euro


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