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Fritz Neuser – Deutschlands ältester Autohändler und ein ziemlich unglaubliches Leben

Fritz Neuser
Fritz Neuser

Manche Lebensläufe lesen sich wie ein sauber geplantes Drehbuch.Der von Fritz Neuser eher wie ein sehr gutes Improvisationstheater – mit Disziplin, Glück, Rückschlägen und einer Menge eigener Entscheidungen.

Geboren 1932 in Nürnberg, wächst Neuser in einer Zeit auf, in der nichts selbstverständlich ist. Krieg, Bombennächte, Hunger und Besatzungszeit gehören zum Alltag. Früh lernt er, dass man sich Dinge nicht erklären lassen kann, sondern selbst herausfinden muss – notfalls durch Versuch und Irrtum.

Sein erstes „Geschäftsmodell“: Tauschhandel von gefundenen Devotionalien des Nationalsozialismus mit amerikanischen Soldaten. Seine erste wichtige Erkenntnis: Man sollte immer genau hinschauen, ob das Angebot wirklich fair ist. Eine Lektion, die später noch erstaunlich nützlich werden sollte.


Erst Spitzensport, dann Spitzengeschäfte


Erinnerungen an seine Karriere als Radprofi
Erinnerungen an seine Karriere als Radprofi

Bevor Autos sein Leben bestimmen, sitzt Fritz Neuser im Rennsattel. Und zwar sehr erfolgreich. Mehrfacher Deutscher Meister im Radsport, Olympiateilnehmer 1956 in Melbourne, Mannschaftskapitän der Nationalmannschaft. Nebenbei lernt er Englisch – nicht, weil es im Trend liegt, sondern weil sonst niemand dolmetschen kann.

Kurz gesagt: Wenn etwas gebraucht wird, bringt er es sich selbst bei.

Was er aus dem Sport mitnimmt, ist einfach erklärt: trainieren, dranbleiben, nicht jammern. Und wenn man stürzt, wieder aufsteigen. Diese Logik überträgt er später ziemlich konsequent auf den Rest seines Lebens.


Vom Goggomobil zur großen Bühne


Mit so einem Goggo fing alles an.
Mit so einem Goggo fing alles an.

Nach dem Sport wird Fritz Neuser Autoverkäufer. Erst klein, dann immer größer. Vom Goggomobil über Alfa Romeo bis Ferrari. Was ihn unterscheidet: Er verkauft nicht einfach Autos, sondern denkt mit. Wer bei ihm kauft, soll fahren können, nicht nur unterschreiben. Also organisiert er Fahrpraxis, erklärt, begleitet – und verkauft am Ende sehr, sehr viele Autos.

Später wird er Alfa-Romeo-Händler, baut eines der erfolgreichsten Autohäuser Süddeutschlands auf und lernt in Italien Menschen kennen, die man nicht alle Tage trifft – unter anderem Enzo Ferrari persönlich. Klingt glamourös, war aber vor allem viel Arbeit, viele Entscheidungen und nicht selten schlaflose Nächte.


Erfolg ist kein Selbstläufer


Im Gespräch wird schnell klar: Es lief nicht alles glatt. Fritz Neuser spricht offen über Fehler, über teure Lektionen, über Stress und über Situationen, in denen Entscheidungen unangenehm waren – aber nötig.

Rückblick ohne Wehmut
Rückblick ohne Wehmut

Besonders bemerkenswert: Sein Rückzug aus dem Ferrari-Geschäft. Nicht, weil es schlecht lief, sondern weil andere Dinge wichtiger wurden. Kein Drama, kein Knall – sondern ein sauberer Schnitt zur richtigen Zeit.


Jetzt wird aufgeräumt


Heute trennt sich Fritz Neuser von großen Teilen seiner legendären Sammlung: über 40 Fahrzeuge, darunter zahlreiche Ferraris, Rennmotoren, Getriebe und historische Rennräder. 2026 kommt vieles davon in Paris unter den Hammer.

Das ist kein Abschied mit Wehmut, sondern eher ein Aufräumen mit System. Wer ihm zuhört, merkt schnell: Da blickt keiner zurück und denkt „Hätte ich mal…“. Eher im Gegenteil.



Alte Schule – aber mit Augenzwinkern


Dieses Gespräch ist keine Heldenverehrung und kein Rückblick mit Goldrand. Es ist die Geschichte eines Lebens, das aus Leistung, Neugier, Mut und gelegentlichem Dickkopf besteht.

Alte Schule heißt hier nicht: früher war alles besser.Sondern: selber denken, Verantwortung übernehmen – und auch mal über sich selbst lachen können.


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